Foto: Ulla Evers

Kirchenkreisjugendwart verabschiedet

06. Dezember 2021

Andreas Schulze-Mauk geht in den Ruhestand

Am 05.12. wurde Kirchenkreisjugendwart Andreas Schulze-Mauk in den Ruhestand verabschiedet. Viele Jugendliche, Kollegen, ehemalige Mitstreiter und Familienangehörige versammelten sich in der Nicolaikirche. „Ein Abschied im Advent ist passend,“ sagt Superintendentin Pfannschmidt, „Advent heißt, da kommt noch was, wir können gespannt sein, was noch kommt.“ Auch für den Jugendwart stehen neue Aufgaben an, es wird nicht langweilig.

Nach dem Gottesdienst mit Entlassungssegen gab es entsprechend der Corona-Vorschriften viele Grußworte, Geschenke und Verabschiedungsaktionen … und einen „Empfang to go“: Auf jedem Platz waren eine Limoflasche und Snacks bereitgelegt, coronakonform kann so zuhause oder draußen vor der Kirche auf Andreas Schulze-Mauk angestoßen werden. Er selbst verabschiedete sich bewegt mit den Worten „Ihr schafft das, bleibt behütet!“

Aber was hat der frische Ruheständler eigentlich im Kirchenkreis erlebt, wie ist er nach Gifhorn gekommen und was hat er jetzt vor?

Hallo Andreas, du bist nun schon einige Wochen nicht mehr im Dienst, bist du denn schon im Ruhestand angekommen?

Ein Bisschen aber nicht so richtig. Mir schwirrt noch einiges im Kopf herum, gerade zum Schluss hin war noch viel zu erledigen und meine Verabschiedung findet ja auch erst jetzt statt … es dauert also wohl noch ein Bisschen, bis ich alles hinter mir gelassen habe.

Es war eine lange und erlebnisreiche Dienstzeit, seit 01.09.2001 bis du Kirchenkreisjugendwart, wie kam es dazu?

Schon als Kind war ich kirchlich aktiv, wollte nach der Schule Sozialpädagogik studieren, es wurde aber dann Religionspädagogik in Hannover. Ich habe 1980 bei Bremen als Diakon angefangen und wurde schon wenige Jahre später KKJW (Kirchenkreisjugendwart) in Hameln-Pyrmont. 1987 habe ich dann geheiratet und bin im gleichen Jahr hier in den Kirchenkreis gekommen.

Also der Liebe wegen?

Nein, nein, es gab sogar einige Skepsis in den Zonenrand zu ziehen aber in Wesendorf und Wahrenholz wurde eine neue Stelle geschaffen. Dort wurde ein Jugenddiakon gesucht, der auch für das dortige Jugendhaus zuständig war. Das fand ich spannend. Also sind wir nach Wahrenholz gezogen.

Wie waren diese Anfangsjahre für dich, was war prägend?

Ich erinnere mich noch gut an den Zuzug der vielen Spätaussiedler aus Russland – Deutschrussen, zum Beispiel aus Kasachstan. Viele von ihnen waren evangelisch, daher wuchsen unsere Gemeinden enorm. Und sie prägten auch die Jugendarbeit. Es trafen verschiedene Kulturen aufeinander, es gab Sprachbarrieren und allgemein war die Arbeitslosigkeit, vor allem auch die Jugendarbeitslosigkeit in der Zeit sehr hoch. Der Schwerpunkt lang nun sehr auf interkulturellem Arbeiten, vor allem auch im offenen Jugendtreff in Wesendorf. Das war eine fordernde, aber auch sehr bereichernde Situation.

Außerdem gab es in den 90er Jahren eine große Jugendreform im Landkreis. Die Angebote offener Jugendarbeit wurden lokal in die Samtgemeinden verlagert. Die Kirchengemeinde in Wesendorf hat daher für den Jugendtreff eine Kooperation mit der politischen Gemeinde angeregt. Diese besteht bis heute.

Das hat sich doch alles gut gefügt, wie kamst du dann nach Gifhorn?

Meine Frau hatte damals noch studiert und wurde später meine Kollegin mit einer halben Diakonenstelle in Wahrenholz. Daher wurden bei mir Stellenanteile frei, sodass ich 1992 einen Zusatzauftrag für Theaterpädagogik beim Kirchenkreisjugenddienst angenommen habe. Seitdem schlägt mein Herz für die Theaterarbeit, das hat mir immer viel Spaß gemacht. Ich erinnere mich gut und gern an die vielen Kindertheatertage und weitere Aktionen.

Irgendwann suchte ich dann nach neuen Herausforderungen und habe eine Fortbildung in der Krankenhausseelsorge angefangen. Aber dann hörte die damalige Kirchenkreisjugendwartin auf und ich wurde KKJW – zu 100%.

Und was waren die Highlights, an welche Themen und Aktionen erinnerst du dich aus deiner Zeit als KKJW?

Ich zähle mal auf:

  • In den ersten zehn Jahren haben wir die Arbeit mit Kindern als großen Schwerpunkt setzen können. Das war wichtig.
  • Dann fällt mir natürlich Offendorf ein, das Zeltlager wird von der Landeskirche Hannovers betrieben. Der Kirchenkreis Gifhorn wurde irgendwann eingeladen, dort mitzuarbeiten – das war damals eine Ehre!
  • Dann die Gründung unseres Apfelsaftprojekts „Mosten statt rosten“, wir haben Fallobst gesammelt und unseren eigenen Apfelsaft in den Kirchengemeinden verkauft.
  • Und anfangs gab es alle zwei Jahre ein großes Sprengeljugendcamp am Tankumsee, was wir maßgeblich mitorganisiert haben. Damals gehörte der Kirchenkreis Gifhorn noch zum Sprengel Hildesheim.
  • Aber es gab auch eine finanziell bitter enge Zeit, das änderte sich langsam ab 2010. Da haben wir den Sprengel verlassen und wurden Lüneburg zugeordnet. Ein Sprengeljugendcamp gab es dann leider nicht mehr … aber eine deutlich stärkere Einbindung der ehrenamtlich engagierten Jugendlichen im Sprengel.
  • Aufgrund von Personalwechseln hat das Landesjugendpfarramt sich nach einigen Jahren aus der Organisation in Offendorf zurückgezogen und der Kirchenkreis Gifhorn wurde federführend.
  • Und vor ein paar Jahren kam die schulnahe Jugendarbeit als neues Feld dazu. Wir haben viele Projekte in Kooperation mit Schulen ins Leben gerufen, allen voran die Tage ethischer Orientierung (TEO) oder auch die Bibelerlebnistage für Grundschulkinder.

Das klingt nach vielen spannenden Jahren und Herausforderungen, in der kirchlichen Jugendarbeit in und um Gifhorn hat sich viel bewegt. Was sind die Herausforderungen, die jetzt anstehen? Was steht ganz oben auf der ToDo-Liste?

Das Konzept, das wir für den nächsten Planungszeitraum ab 2023 eingereicht haben, zu beschießen und zu leben. Das ist die ganz kurze Fassung. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht zwei grundlegende Punkte:

Zum einen ein Kirchenkreisjugendwart und fünf Regionalstellen, um die Grundversorgung unserer Jugendarbeit flächendeckend sicherzustellen. Hierbei ist es ganz wichtig, dass diese Personen zusammenarbeiten, gemeindeübergreifen! Das Gartenzaundenken überdenken: Gemeindeübergreifendes Denken muss bei uns im Kirchenkreis unbedingt eingeübt werden.

Zum anderen müssen auch im neuen Gebäudekonzept Räume für Kinder und Jugendliche unbedingt mitgedacht werden. Es müssen multifunktionale Räume bereitgestellt werden, die sie selbst gestalten können. Kinder und Jugendliche brauchen Orte, wo sie willkommen sind, sich treffen können, sich wohlfühlen.

Nun gibt es noch keinen Nachfolger für deine Stelle aber wenn du deinen Nachfolger, deine Nachfolgerin treffen würdest, was würdest du ihm/ihr mit auf den Weg geben?

(Schweigen) … das kommt darauf an, was das für ein Mensch ist, etwa wie alt und welche Erfahrung …

Was würdest du denn im Umkehrschluss dem Kirchenkreis empfehlen?

Ganz klar, jemanden externes zu nehmen. Jemanden mit Erfahrung, der strukturell gut aufgestellt ist. Das heißt, der Strukturen erkennt, in Strukturen denken und agieren kann und der sich als Networker versteht. Jemand, der verbinden und einbinden kann, der Menschen zusammenbringt.

Und er muss selbst gut geerdet sein im Glauben.

Wie meinst du das?

Er muss sich sicher positionieren können aber souverän, nicht absolut. Es gibt viele verschiedene Glaubensansätze hier im Kirchenkreis, diese muss er zulassen und akzeptieren können – aber auf Augenhöhe.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wenn du jetzt von deiner Verabschiedung nach Hause fährst, was steht dann für dich an?

Erstmal werde ich in Ruhe all die lieben Worte, Grüße und Geschenke durchsehen und die Verabschiedung in der Nikolaikirche Revue passieren lassen.

Und dann … Ich habe mir schon viele Bücher gekauft, die ich immer schon mal lesen wollte. Jetzt komme ich hoffentlich dazu. Aber ich bin auch als Großvater ganz gut eingespannt, meine beiden Enkel sind zwei und sechs Jahre alt.

Nächstes Jahr möchte ich eine längere Radreise machen, ganz alleine für mich, vielleicht pilgern. Ich plane ein Bisschen im Vereinssport in Celle aktiv zu werden und ich möchte mich politisch-gesellschaftlich einbringen. Hier in Celle gibt es ein Bündnis gegen Rechts, wo ich mich engagieren möchte. Und ich hoffe, ich finde nun etwas mehr Zeit für Freunde, mit denen ich bisher nicht so viel Kontakt haben konnte, wie ich es gerne gehabt hätte.

Wer wird Nachfolger:in?

Die Stelle soll wieder besetzt werden, doch die Letztentscheidung liegt bei der Synode. Derzeit beraten Gremien im Kirchenkreis über Personalverteilung, Finanzen und weitere Themen. Final abgestimmt und beschlossen werden alle Planungen, die dann ab 2023 gelten, demokratisch in der Kirchenkreissynode im Sommer 2022. Daher kann eine Ausschreibung erst danach erfolgen.

Ein Kirchenkreisjugenwart ist für die Gewinnung, Sammlung, Schulung und Zurüstung ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verantwortlich, insbesondere für die Planung und Leitung von Jugendgruppenleiterlehrgängen. Er berät die Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnenkreise in den Kirchengemeinden und gibt Anregungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Er koordiniert und veranstaltet Maßnahmen und Gottesdienste im Rahmen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf Kirchenkreisebene. Er wirkt als Seelsorger und Berater junger Menschen und hat immer ein offenes Ohr. Er führt die beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Kirchenkreis – soweit sie in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen tätig sind – zusammen und berät sie. Er arbeitet mit den anderen kirchlichen Jugendverbänden im Sprengel zusammen und hält Verbindung zum Landesjugendpfarramt in Hannover, insbesondere durch die Teilnahme an den Landesfachkonferenzen der Kreisjugendwarte. Außerdem arbeitet er bei landeskirchenweiten Projekten und Maßnahmen mit, hält Kontakt zu anderen Jugendverbänden und zur öffentlichen Jugendpflege. Der Kreisjugendwart berät, begleitet und unterstützt den Kirchenkreisjugendkonvent. Er trägt Sorge, dass die Evangelische Jugend in Jugendringen und im Jugendhilfeausschuss vertreten ist. Er nimmt auch an Zusammenkünften der Kirchenkreiskonferenz teil und er ist für die Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis verantwortlich.

Sicherlich gibt es situations- und bedarfsentsprechend unterschiedliche Schwerpunkte oder weitere Aufgaben.