Chorkonzert der Kantoreien Gifhorn und Wolfsburg

Stadthalle Gifhorn, 22. September 2019

Datum: 22.09.2019

Beginn: 18.00 Uhr, Einlass/Abendkasse ab 17.00 Uhr

Veranstalter: Kirchengemeinde St. Nicolai, Gifhorn

Veranstaltungsort: Theatersaal der Stadthalle Gifhorn

Ausführende

Kantorei St. Nicolai, Gifhorn

Kirchenkreiskantorei Wolfsburg

Olivia Stahn und Julia-Sophie Kober, Sopran

Martin Nyvall, Tenor

Kammersymphonie Hannover

Leitung: Kreiskantoren Markus Manderscheid und Raphael Nigbur

Programm

Felix Mendelssohn-Bartholdy:

Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Sinfonie-Kantate op.52 „Lobgesang“

 

Informationen zum Kartenvorverkauf/Abendkasse

Eintrittspreise (zzgl. Vorverkaufsgebühr):

25,- / 20,- / 15,- / 10 Euro 

Familien 50,- (2 Erw. + Kinder)

Freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre 

Ermäßigungen gibt es für Schüler, Studenten und Sozialpassinhaber

Die Eintrittskarten sind ab sofort im Kulturverein Gifhorn (Steinweg 4, GF) erhältlich und auch online buchbar unter www.kulturverein-gifhorn.de

Dort können Sie alle Details zu den Preiskategorien und den Ermäßigungen einsehen.

Zum Inhalt des Programms

Sinfonie-Kantate op. 52 „Lobgesang“

Felix Mendelssohn-Bartholdy musste zwischen 1830 und 1840 eine kompositorische Durststrecke durchstehen. Was er auch an größeren Werken (Sinfonien) zu komponieren begann, es blieb auf die eine oder andere Weise unvollendet (skizziert/komponiert, aber nicht aufgeführt; aufgeführt, aber nicht verlegt). 

Als er Ende der 1830er Jahre an Skizzen in B-Dur arbeitete, war ihm noch nicht klar, dass es der Grundstein für den seit Jahren ersehnte Erfolg sein würde. Er wusste nicht mal, ob es ein kleines Oratorium oder ein größerer Psalm wird, die jeweils auch mehrsätzig sein können. 

Dann bekam er Anfang 1839 einen Auftrag: Eine Komposition für das Gutenbergfest im Jahr 1840 zu schaffen, bei dem der 400. Jahrestag der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern gefeiert werden sollte. Er arbeitete also weiter an seinen Skizzen.

Die Idee für eine Symphonie mit Vokalsätzen kam ihm bei der Zusammenstellung bestimmter Texte aus der Bibel, die schließlich die Grundlage von neun Vokalsätzen wurden. So nahm die ´Sinfonie-Kantate´ allmählich Form an, ohne dass Mendelssohn das Werk so nannte. Dieser Titel wurde ihm erst nach einigen Aufführungen vorgeschlagen. So bekam der „Lobgesang“ das uns bekannte musikalische Gewand.

Der Lobgesang ist so aufgebaut, dass am Anfang drei ausladende Instrumentalsätze stehen. Daran schließen sich die neun Vokalsätze an. 

Der Text besteht aus mehreren Bibeltexten und dem Choral „Nun danket alle Gott“ von Martin Rinckart.

Inhaltlich (Text) gibt es drei Hauptgedanken:

-Lob Gottes

-Gottes Treue zu denen, die auf seine Hilfe und seinen Trost harren

-Aufstieg aus der Finsternis zum Licht

Der dritte Hauptgedanke „Von der Finsternis zum Licht“ bildet die Kernaussage des Werkes. Diese Metapher ist zunächst einmal ein biblisches Bild dafür, dass Gott die Menschen aus der Dunkelheit führt, sie erlöst und sie ewiges Leben erlangen, so sie denn daran glauben. 

Im Rahmen des Gutenbergfestes, für das Mendelssohn die Sinfonie komponiert hat, steht das Bild für die Erleuchtung, die die Menschen durch die neue Art des Buchdrucks erfahren haben. 

Diesen zentralen Gedanken hat Mendelssohn mehrmals in musikalischer und textlicher Form in der Sinfonie verarbeitet.

Einerseits durch eine klangliche Aufhellung (z.B. beim Weglassen der tiefen Bassstimmen bei einer Sopran-Arie) und anderseits durch eine Aufhellung in der textlichen Bildlichkeit der sich ausbreitenden Offenbarung der biblischen Botschaft.

Man könnte sagen, dass Mendelssohn selbst in der Zeit vom Beginn des Komponierens bis hin zur Aufführung ein Erleuchtungserlebnis gehabt hat. Skizzen und Textideen haben zu einem kompletten sinfonischen Werk geführt; anfängliche Misserfolge haben in viel Erfolg gemündet.

Die Uraufführungmit über 500 Musikern fand am 25. Juni 1840 in der Leipziger Thomaskirche statt und war ein beachtlicher Erfolg, was auch einige seiner Komponistenkollegen bestätigten. Mehrere Male wurde der Lobgesang im selben Jahr noch aufgeführt. 

Bereits kurz nach Erteilung des Auftrags (also mehr als 1 Jahr vor der Uraufführung) bat der Verlag Breitkopf & Härtel um eine Veröffentlichung der Musik zum Reformationsfest. 

Choralkantate "Wer nur den lieben Gott lässt walten"

Das Lied "Wer nur den lieben Gott lässt walten" war zu Mendelssohns Lebzeiten eines der beliebtesten Kirchenlieder. Bekanntes Liedgut zu verarbeiten war damals wie heute eine gängige Methode Neues zu schaffen. So tat es Mendelssohn ebenso und bediente sich der 1., 4. und 7. (letzten) Strophe des aus der Feder von Georg Neumark stammenden Liedes. Mendelssohn – der Wiederentdecker der Matthäuspassion von J. S. Bach – schrieb die Kantate in Anlehnung an die Gattungsmodelle von den Kantaten von Bach. Die Tonsprache jedoch passte er der vom 19. Jhdt. an. Inhaltlich geht es allgemein um Gotteslob und Gottvertrauen, was den roten Faden vom Lobgesang weiterführt. Die Choralkantate wurde von Mendelssohn nicht zur Verwendung als liturgischer Bestandteil in Gottesdiensten angedacht, sondern war für den konzertanten Gebrauch in weltlichen Kontexten bestimmt. Besonders auffällig ist die Kompositionsweise des zweiten und längsten der insgesamt vier Sätze. Die Choralmelodie erscheint dort in der Bassstimme, also in der tiefsten Stimme des Chores in verbreiterten Notenwerten. Das gibt es selbst bei Bach nur zweimal. Hier ist die Melodie wohl als Fundament und damit als Symbol für das Gottvertrauen zu interpretieren ("Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut").

 

Kreiskantor

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Raphael Nigbur