Foto: Ulla Evers

Kirchenkreiskonvent berät über Zukunftsfragen

10. Juni 2021

Nicht suchen, sondern finden

Hauptamtliche im Kirchenkreis beraten über gemeinsame Veränderungsprozesse und das Zukunftsbild der evangelischen Kirche.

Von Montag bis Donnerstag fand der jährliche Kirchenkreiskonvent statt, eine Konferenz, an der etwa 30 hauptamtlich Tätige aus dem Kirchenkreis teilnahmen, von Päse bis Grassel und von Wahrenholz bis Groß Schwülper.

Die diesjährigen Beratungen standen ganz unter dem Thema Zukunft des Kirchenkreis. Die Mitgliederzahlen nehmen ab und gesellschaftliche Umbrüche werden durch die Coronasituation noch verstärkt, sodass die Teilnehmenden der Frage nachgingen: Wie können wir auf Veränderungen reagieren, wie proaktiv die Zukunft von Kirche gestalten?

Wissenschaftliche Grundlage und roten Faden der Veranstaltung bildete die Theorie U von Otto Scharmer aus dem Bereich des unternehmerischen Changemanagements. Sie plädiert dafür, nicht mit Schnellschüssen und oberflächlichen Veränderungen auf neue Gegebenheiten zu reagieren, sondern in die Tiefe und sich selbst hinein zu spüren. Es geht darum, Dinge anders zu betrachten und ganz neu zu denken. Daher sieht er Zukunftsvisionen als etwas Emotionales, was nicht sachlich konstruierbar ist. Wie sollten die Teilnehmenden also Visionen von der Zukunft ihrer Kirche entwickeln?

„Ich suche nicht - ich finde“, diesen Slogan nutze auch schon Picasso. Während man beim Suchen von altbekanntem ausgeht, beschreibt das Finden etwas gänzlich Neues, und zwar ohne die Angst des Loslassens.

Hierfür gab es Einblicke in andere Projekte, Zeit zum Nachdenken, Austausch und Anregungen durch methodisches Arbeiten im Plenum, in Kleingruppen, teils mit Kaffee und Maske im Birger-Forell-Haus, teils mit Jogginghose und Headset über Zoom. „Ich nehme viele neue Impulse mit, die machen Mut, Neues anzufassen und zu probieren“, freut sich Uta Bausmann vom Jugendhilfeprojekt ZOB. Vom allgemeinen Austausch ging es am letzten Tag hin zur Arbeit an sogenannten „Prototypen“, konkrete Projekte und Veränderungsideen im Kirchenkreis. Von der Planung eines Jugendevents zur intensiveren Vernetzung der Jugendarbeit bis hin zu Aktionsständen vor Aldi, Rewe und Co. am Tag der Armut (17. Oktober), um mit den Bürger:innen in und um Gifhorn in Kontakt zu kommen. Auch ein „Tankort“ auf dem Friedhof von Isenbüttel kann auf niederschwellige Art Kontakt und Austausch schaffen. Immer wieder drängt Moderator und Gemeindeberater Matthias Wöhrmann auf konkrete Angaben, Benennung von potenziellen Ansprechpartnern und Planung des nächsten Schritts.

Allen gemein ist der Austausch und die Vernetzung untereinander sehr wichtig, wobei die bereichernde Suche von Partnern außerhalb von Kirche betont wird. Neben dem Blick über die eigene Gemeinde hinaus wurde auch immer wieder klar, dass das Einbinden von Ehrenamtlichen sowie eine Offenheit und Einladung an alle, die sich engagieren wollen, essenziell sind. Die Stärke liegt in der Arbeit im Team, wo Ressourcen gebündelt und Kompetenzen sinnvoll genutzt werden können. Darüber hinaus muss Kirche die Menschen im Alltag abholen, bewusst in der Gesellschaft auftreten und auf Mitglieder und Kirchenfremde zugehen, um die Wünsche und Bedürfnisse der Leute zu erspüren und sich daran zu orientieren. Dies alles mit einer offenen Grundhaltung, dem Mut sich auf Neues einlassen und Ideen auszuprobieren, auch wenn ein Scheitern möglich ist.

„Der Austausch mit den Kollegen ist hierbei extrem gut, denn die Gemeinden und Personen sind zum Teil sehr unterschiedlich, allein dadurch befruchten und ergänzen wir uns gegenseitig,“ findet Oliver Flanz, Pastor in Meinersen, „um eine gemeinsame Zukunft im Kirchenkreis zu entdecken ist ein transparenter Prozess wichtig.“

Am Ende der drei intensiven Tage war somit ein Weiterarbeiten hin zu einer großen gemeinsamen Perspektive von vielen Beteiligten gewünscht.

„Deutschlandweit sind viele Kirchenkreise in so einem Zukunftsprozess“ weiß Wöhrmann, wichtig ist hierbei bewusst möglichst viele Personen einzubinden, und einen offenen Beteiligungsprozess auf breiter Basis durchzuführen. „Ein nächster Schritt ist somit zwingend die Einbindung des Ehrenamts, beispielsweise in der Synode“, betont Superintendentin Sylvia Pfannschmidt.