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Wahrenholzer Gemeinde geht neue Wege

31. Oktober 2019
Foto: Andrea Mischnik

Ein Gespräch mit Pastor Lars-Uwe Kremer

Eine Kirchenbank ist im Kirchenraum nicht in Beton verankert. Man kann sie nach draußen tragen, um neue Orte zu finden, mit denen über Gott, den Glauben und das Leben geredet wird. So die Idee der Kirchengemeinde Wahrenholz. In diesem Sommer waren sie mit einer Kirchenbank im Dorf unterwegs, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ein Gespräch mit Pastor Lars-Uwe Kremer.

Wie begann die Idee mit der Kirchenbank?

P. Kremer: Wir sind seit einer Weile schon im Prozess der Qualitätsentwicklung. In Hannover haben wir mit einem Team eine Schulung dazu mitgemacht. Dort haben wir Ziele formuliert: Wir wollen einladende Gemeinde sein – Kirche im Dorf für alle. In die Kirche kommen die Leute nicht mehr. Ich hatte Kontakt mit Kirchehochzwei und freshx. Da gehen Leute unkonventionelle Wege, um den Glauben ins Gespräch zu bringen. Wir haben bei uns im Team überlegt, was können wir machen? Martin Römer, vom Haus kirchlicher Dienste, war bei uns. Wir haben gemeinsam Ideen gesponnen. Da sind wir auf eine Idee aus der Schweiz gestoßen, die mit einer Kirchenbank durch ihr Gemeindegebiet gezogen sind. Diesen Gedanken haben wir aufgegriffen. Wir haben eine Kirchenbank aus unserer Kirche genommen und an verschiedene Orte des Dorfes gestellt. 

Wie haben Sie das organisiert?

P. Kremer: Es gab dann einige Überlegungen. Wann sind wir mit der Bank an einem Ort in Wahrenholz? Gibt es dort einen Impuls? Aber wir haben uns ganz reduziert auf den Gedanken, einfach da und ansprechbar zu sein. Wir haben ein Schild gemacht mit der Aufschrift „Was glaubst du“? Das klebt auf unserer Kirchenbank. Dann hat sich einer von uns hingesetzt und gewartet, dass jemand kommt.  Anfang Juni haben wir die Bank im Rahmen eines Pressetermins aus der Kirche geholt und sie ein paar Tage später vor dem Edeka-Markt aufgestellt. So wurde die Idee schon einmal bekannt. Die Bank ist mobil. Sie ist auf eine Karre geschnallt. Wir ziehen mit ihr los, haben Kaffee und Tee dabei und gehen durchs Dorf. Das ist schon Teil der Inszenierung. Damit ernten wir erstaunte und erfreute Blicke. Dann stellen wir sie auf und warten auf Leute. Wir wollen nicht direkt ansprechen oder jemanden zu einem Gespräch zwingen. Wir warten einfach, was da auf uns zukommt.

Wieviel Leute machen mit?

P. Kremer: Das Qualitätsteam besteht zurzeit aus vier Leuten. Das ist für diese Aktion zu wenig. Daher haben wir den Kirchenvorstand eingebunden. Das war nicht schwer, einige zu begeistern. Wir können pro Aktionstermin die Bank mit zwei bis drei Leuten bestücken. 

Welche Erfahrungen machen Sie mit der Aktion?

Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich. Bei Edeka war sehr gut was los. Vor der Post waren wir. Da sind die meisten als Kunden schnell rein, haben etwas erledigt und waren wieder weg. Aber einige blieben bei uns sitzen. Ein Freitagnachmittag vor dem Schreibwarenladen war nicht so erfolgreich. Einmal hatten wir unser Hoffest in Betzhorn, aber da fiel die Bank nicht so auf. Vor kurzem waren wir vor dem Raiffeisenmarkt. Nach einer anfänglichen Flaute waren plötzlich 15 Leute da. Meistens bleiben wir bis zu zwei Stunden an einem Ort. Das passt. 

Welche Gespräche kommen zustande?

P. Kremer: Meistens Smalltalk. Wir drängen uns nicht auf und drängen: Erzähl mal über deinen Glauben! Wir greifen Themen auf, die Menschen mitbringen. Zum Beispiel sprechen wir über Gottesdienstbesuche. Da sind wir in interessante Gespräche gekommen. Manchmal sind die Gespräche auch seelsorgerisch. Es gibt auch ernsthafte Gespräche über Kirche. Wir hören dann, dass es eine tolle Idee sei, dass die Kirche mal rauskommt. Genau diesen Eindruck möchten wir verstärken. Vielleicht werden wir in Zukunft einen festen Ort und eine feste Zeit haben, an dem wir auf der Kirchenbank ansprechbar sind. Wie genau das geht, überlegen wir noch.

Welche Erfahrungen haben Sie und die KV-Mitglieder gemacht?

P. Kremer: Da war kein Fremdheitsgefühl. Zunächst gibt es einen Irritationsmoment, aber dann kommt man ins Gespräch. Alle, die mit gemacht haben, fanden das super. Keiner würde abspringen. Wenn ich als Pastor dabei war, dann war es interessant für mich außerhalb meines gewöhnlichen Umfelds zu sein. Das war auch für mich ein Experiment. Ich wusste ja gar nicht, ob die Idee mit der Kirchenbank in einem Dorf funktioniert. Kirche hoch zwei und freshx sind ja eher in den Städten zu finden. Meine Meinung ist, dass das der richtige Weg von Kirche ist. Wir müssen rausgehen. Die Leute kommen nicht mehr in unsere Kirche. Selbst besondere Gottesdienste, die wir ausprobiert haben, ziehen zwar ein paar mehr Leute an, aber nicht viele. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch hat seinen Glauben hat. Der passt nur nicht mehr in die traditionellen Formen der Kirche. Daher müssen wir dahin gehen, wo die Leute sind. Es geht darum, sichtbar zu sein.

Wahrenholz St. Nicolai und Katharinen-Kirche
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