Foto: Ulla Evers

Pilgern durch das Harzvorland

18. Oktober 2021

Straffällig gewordene Jugendliche bekommen in der Natur den Kopf frei

Bis zu acht Jugendliche machen sich zusammen mit drei Betreuenden auf den Weg. „Angefangen hat eine damalige Kollegin mit einer Route von Hameln nach Loccum,“ erinnert sich Uta Bausmann. In Hameln befindet sich das Jugendgefängnis, in Loccum ein großes Kloster. Diese Symbolik wurde bewusst gewählt. Jetzt geht es zweimal im Jahr in den Vorharz hinein, etwa von Braunschweig über Wolfenbüttel nach Schladen oder Osterwiek. Die Gruppen übernachten in Jugendgästehäusern oder auch mal in einer Pension.

Seit drei Jahren hat das Team um Uta Bausmann dieses innovative Angebot im Repertoire, das so manchen Teilnehmenden an seine Grenzen führt: Sozialpädagogisches Pilgern.

Tagesetappen von 25 km sind dabei keine Seltenheit. In vier Tagen werden etwa 70 km zurückgelegt. „Wir haben schon ein taffes Programm,“ erklärt Ilka Wittstock stolz. Die Erinnerungen an die letzte Pilgertour sind noch frisch. Die Jugendlichen hatten ein ordentliches Tempo vorgelegt. Pilgern, das heißt in erster Linie „sich auf den Weg machen.“ Doch zum Pilgern im ZOB gehören noch weitere Elemente: Bewusstes Schweigen, Austausch in der Gruppe, stilles Nachdenken im Wald, seine persönliche Situation reflektieren, sich neue Ziele für die Zukunft setzen.

Viele der Teilnehmenden haben so etwas noch nie gemacht. Da ist es gut, dass vor dem eigentlichen Wochenende ein Probepilgern um Gifhorn stattfindet, um die Jugendlichen auf diese Herausforderung vorzubereiten: Welche Kleidung ist die Richtige? Wie teile ich meine Energie ein? Was muss ich in meinem Rucksack mitnehmen, was kann zuhause bleiben?
Wie bei allen Angeboten des ZoB werden auch hier die Jugendlichen von der Jugendhilfe im Strafverfahren zugewiesen. Einige sind anfangs wenig motiviert, anderen fehlt die körperliche Fitness, doch das Gruppenerlebnis und das Rauskommen aus dem Alltag in die Natur, motiviert.


Auch in anderen Kursen führt das ZoB-Team Aktionen in der Natur durch. Innerhalb eines Kurstages im Steinweg geht es zum Beispiel am Schlosssee vorbei in den Wald. Auch Fahrten in den Elm oder Arbeitseinsätze in Riddagshausen können Bestandteile eines Kurses sein. Hier werden wald- und erlebnispädagogischen Einheiten durchgeführt, die viele der Jugendlichen stark beeindrucken. „Viele der Teilnehmenden wohnen zwar ländlich, kommen aber nie wirklich raus aus ihrem Umfeld,“ erklärt Bastian Maas, „die Ausflüge bewirken etwas bei den Jugendlichen, hinterher arbeiten sie anders mit.“
Während das Pilgern gesondert unterstützt werden muss, etwa durch Stiftungen, werden die Projekte des ZoB vom Landkreis und vom Land Niedersachsen finanziert. Dadurch kann der ZoB viele unterschiedliche deliktspezifische Angebote realisieren, die zudem auf die individuellen Bedürfnisse der jungen Menschen abgestimmt sind. Die Jugendlichen merken, dass die Mitarbeitenden für sie da sind und bleiben oft nach Beendigung der Maßnahme weiterhin im Kontakt und suchen hier Unterstützung bei der Jobsuche oder anderen persönlichen Herausforderungen. Dies sind wichtige Angebote und Möglichkeiten auf dem Weg in ein gesichertes Leben.


Das Team des ZoB besteht aus Uta Bausmann, Bastian Maas, Katrin Uzar und Ilka Wittstock. Sie arbeiten mit straffällig gewordenen Jugendlichen und bieten pädagogische Betreuungsangebote als Alternative zu freiheitsentziehenden Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Einzelbetreuungen, Blockseminare, Arbeitsstunden, Kurse für erstauffällige Suchtmittelkonsumenten, das Anti-Aggressivitäts-Training® oder soziale Trainingskurse.

Das ZoB in Gifhorn

Uta Bausmann
Steinweg 19A
38518 Gihorn
Tel.: 05371 9426-04