Foto: Ulla Evers

Was für ein Vertrauen - Christen und Muslime begegnen sich in Kunst, Gebet und Gespräch

Veranstaltung 18. Dezember 2019

Im Herbst 2019 planen der ev. Kirchenkreis Gifhorn und die kath. Kirchengemeinde St. Altfrid mit Vertretern der DITIB-Gemeinde Gifhorn eine christlich- muslimische Veranstaltungsreihe, um Vertrauen aufzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen:

Grundlage der Begegnungen sind die Bilder der christlichen Künstlerin Natascha Engst-Wrede (Wittingen) und des muslimischen Künstlers Adel Swelim (Gifhorn) zu drei verbindenden biblischen Gestalten (Abraham, Noah und Maria), die auch im Koran Bedeutung haben. Alle Veranstaltungen werden musikalisch begleitet und bieten Raum für Austausch und Begegnung durch einen anschließenden Empfang.

Sonntag 27.10., 17.00 Uhr in der St. Nicolai-Kirche Gifhorn: Abraham

Musikalische Begleitung: Jugendchor „Cantus“ aus Meine unter der Leitung von Claudia Bruns-Opit

Sonntag 10.11., 17.00 Uhr in der Moschee der DITIB-Gemeinde, Bahnhofstr. 12: Noah

Musikalische Begleitung: Internationales Ensemble Gifhorn unter der Leitung von Zlatko Baban

Samstag 7.12., 17.00 Uhr in der St. Bernwardskirche Gifhorn: Maria

Musikalische Begleitung: Ensemble IBTAHIDSCH aus Celle, das sich aus Geflüchteten zusammensetzt, mit mus- limischem und christlichem Hintergrund, unter der Leitung von Dr. Claudia Ott

Bild: Adel Swelim, Die Rettung

Rückblick

Nicht nur für Katholiken oder Protestanten, auch für Muslime nimmt Maria, Mutter Jesu, einen besonderen Stellenwert ein. Im Koran ist ihre eine ganze Sure gewidmet. Bei dem dritten und letzten Begegnungsabend von Christen und Muslimen am Samstagnachmittag in der sehr gut besetzten katholischen St. Bernward-Kirche gab es nicht nur orientalische Klänge des Celler Ensembles Ibtahidsch unter der Leitung von Claudia Ott, sondern viele Informationen und zwei Bilder der christlichen Künstlerin Natascha Engst-Wrede und des muslimischen Künstlers Adel Swelim zum Thema Maria.

Dabei hatte Engst-Wrede die Gottesmutter in Grüne gemalt. „Grün als Zeichen der Hoffnung, Grün beruhigt, und Grün ist die Farbe des Islam“, erklärte sie. Swelims Bild zeigte eine Palme als Hauptmotiv, Hinweis darauf, dass nach muslimischen Glauben Maria Jesus unter einer Palme geboren hat. Ihre Hilfeschreie bei der Geburt wurden erhört, Wasser floss und reife Früchte fielen von der Palme, so die Überlieferung. „Auch nach dem Glauben von arabischen Christen ist Jesus nicht in einem Stall geboren, sondern in einer Höhle“, wies Superintendentin Sylvia Pfannschmidt auf Unterschiede in der Betrachtung von Maria hin. „Maria als Gottesmutter und Urbild des Glaubens, auch bei Katholiken und Protestanten ist die kirchliche Tradition auseinander gegangen“, betonte Pastoralreferent Martin Wrasmann. „Maria hat eine Haltung vorgelebt, das ist wichtiger als die dogmatische Beschreibung“, sagte er. „In beiden Bücher, der Bibel wie dem Koran, ist Maria angekündigt als die Jungfrau, die ein Kind gebären wird.

In der katholischen Kirche hat Maria als Fürsprecherin eine wichtige Funktion, als Vorbild im Glauben.“ „Sie ist die einzige Frau, die im Koran erwähnt wir“, erklärte Hassan Al, Iman der Ditib-Moschee. „Und sie wurde so erschaffen wie eine schöne Blume. Ihre Ehre und Jungfräulichkeit ist im Islam sehr wichtig.“ Maryam, wie sie im muslimischen Glauben heißt, begegnete am Samstag der christlichen Maria in den Personen Beate Zimmermann, Kirchenvorstand der St. Nicolai-Kirche, und Linda Minkus, Leiterin des christlich-muslimischen Kindergartens Abrahams Kinder, in einem Zwiegespräch. Die Kinder erhielten am Ende eine besondere Überraschung. Das Bild von Engst-Wrede aus der ersten Veranstaltung mit dem Titel Abraham wird künftig eine Wand des Kindergartens schmücken. Wrasmann zog ein positives Resümee der Veranstaltungen. „Wir haben zwei Monate zusammen einen wesentlichen Teil zum Zusammenhalt in unserer Stadt beigetragen“, sagte er.

Text: Burghard Ohse

 

Foto: Burkhard Ohne

Ein Gespräch über den Urvater Abraham

Erstmals begegneten sich Christen und Muslime im Landkreis in einer Kirche, um Gemeinsames zu finden. In der ersten von drei Veranstaltungen unter dem Thema „Was für ein Vertrauen“ stand Abraham im Mittelpunkt, der von allen drei monotheistischen Schriftreligionen, dem Christentum, dem Islam und dem Judentum, als Stammvater angesehen und verehrt wird, wie Superintendentin Sylvia Pfannschmidt erklärte. „Es ist eine ganz besondere Veranstaltung, zu der wir hier zusammenkommen sind“, führte sie aus. Es brauche Vertrauen, wenn sich Christen und Muslime in einem sakralen Raum träfen. „Es ist ein Wagnis, ein Schritt auf den anderen zu, um ins Gespräch über die gemeinsamen Wurzeln zu kommen.“ Ins Gespräch wolle man über die Bilder kommen, die vor dem Altar standen. Beide hatten Abraham zum Thema und waren von der Wittinger Künstlerin Natascha Engst-Wrede und dem Gifhorner Künstler Adel Swelim, sie Christin, er Muslim, gemalt hatten. Während auf dem Bild von Engst-Wrede das Zelt des Urvaters sowie eine Biene zu sehen ist, die den Aufbruch in das gelobte Land symbolisiert, hatte Swelim eine Brücke „bis zum Horizont“ gemalt. Der katholische Pastoralreferent Martin Wrasmann interpretierte Abraham so als Brückenbauer, dessen Brücke zu Gott immer gehalten habe. „Es ist ein Weg, der nie endet, und er hat eine hohe Stabilität“, sagte er. Er wünsche sich, dass „wir diese Himmelsbrücke weiter entwerfen“. „Wir brauchen einen Propheten wie Abraham. Seine Vision ist stärker als alle Verzweiflung, die Hoffnung größer als die Trostlosigkeit.“ Abraham sei jemand Besonderer, weil er an Gott bereits vor der Offenbarung von Moses geglaubt hatte, erklärte Pfannschmidt. „Er nahm die Begegnung mit Gott vorweg.“ Auch im neuen Testament werde er 73-mal erwähnt, so als Urahne von Jesus. Auch jeder Jude sehe sich als Nachfahre Abrahams. Ebenso ist für die Muslime Abraham über seinen Sohn Ismail Teil ihrer Geschichte. Im Koran gelte er als vorbildlicher Muslim, weil er sich Gottes Wille unterworfen habe, wie sie aus der Sure 37 des Korans berichtete. „Abraham hatte die Ehre, die ersten Fundament-Steine der Kaaba zu legen“, ergänzte Rabia Polat, Jugendvorstandsvorsitzende von der muslimischen Ditib-Gemeinde. Zudem stünde die Opferung seines Sohnes wie bei den Christen im Mittelpunkt. „Durch diese deutliche Prüfung hat er Vertrauen zu Allah gezeigt“, sagte sie. Das werde immer noch mit dem Opferfest, dem höchsten Fest der Muslime, gefeiert. „Abraham ist der Vater aller Glaubenden. Wir sind Geschwister dieses einen Vaters, und dennoch beansprucht jeder seine eigene Wahrheit. Dabei stehen wir in einer Segenslinie. Wir sollten das Verbindende wahrnehmen und das Trennende ertragen“, forderte Pfannschmidt. Musikalisch begleitet wurde die Stunde, nach der sich unter der Empore weitere Gespräche anschlossen, vom Jugendchor „Cantus“ aus Meine unter der Leitung von Claudia Bruns-Opit. Schüler der BBS I hatten zudem die biblische Gestalt Abraham und seine Reise nach Israel erklärt. Am Ende gab es einen gemeinschaftlichen Segen. Die nächste Veranstaltung, dann mit Bildern zu „Noah“, findet am 10. November um 17 Uhr in der Ditib-Moschee am Bahnhof statt.

Text: Burkhard Ohse