Pastor Gerd Mehlin und seine Frau Susanne gehen in den Ruhestand

15. Dezember 2019
Foto: privat

„Dankbar schaue ich auf die über 32 Jahre in der Gemeinde zurück“, schreibt Pastor Gerd Mehlin für den Gemeindebrief Okeraue. Gerd Mehlin geht mit 62 Jahren nun in den Ruhestand. Er wohnt mit seiner Frau seit Juni in Braunschweig.  Die Dankbarkeit nimmt man ihm ab, denn er hat seine Aufgaben als Gemeindepastor mit Leidenschaft ausgefüllt. Das wird im Gespräch deutlich. „Ich war für die Gemeinde da“, so Mehlin, „auch wenn ich jetzt spüre, wieviel Kraft es gekostet hat.“ Aber es anders machen? Darüber denkt er nicht nach. Er hat die Herausforderungen so genommen, wie sie waren und wie es seiner Persönlichkeit entspricht. Ein bisschen konservativ, sagt er lächelnd. Er hat vor 32 Jahren noch Gemeindearbeit mit viel lebendigem Mittun kennengelernt. Das habe sich verändert, sinniert er, aber es ist wie es ist. Schön sei es, dass sich aus dem anfänglichen KV einer reinen Männerriege nun ein von Frauen geprägtes Gremium entwickelt habe, an das er nach und nach die Verantwortlichkeiten abgibt. 

Ende Oktober 1986 bekam Gerd Mehlin eine Probedienststelle als Pastor. Der damalige Superintendent Schacht fuhr ihn und seine Studienkollegin Friederike Springhorn in seinem VW-Käfer durch den Kirchenkreis. Er lernte Orte kennen, die er vorher noch gar nicht kannte. Zwei Jahre wohnte der Pastor mit seiner jungen Familie in Walle, weil es kein Pfarrhaus in Schwülper gab. Sein Sohn Daniel war sieben Jahre alt, als Familie Mehlin in der Südheide Fuß fasste und Tochter Hanna ist dann in Schwülper geboren.

Seine Frau, Susanne Mehlin, nahm mit ihm die Herausforderungen der Gemeindearbeit auf. Die studierte Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin war vielfältig ehrenamtlich engagiert. Frauengesprächskreis, Konfirmandenunterricht, Prädikantin, im Gottesdienstteam, das besondere Gottesdienstformen wie Sommergottesdienste, Ewigkeitssonntag, Themengottesdienste oder den Weltgebetstag vorbereitete und durchführte. Kreisfrauenbeauftragte war sie 18 Jahre. Die Gottesdienste wurden dann im Lauf der Jahre zu ihrem Schwerpunkt. Das Ehepaar hat viel gemeinsam Veranstaltungen vorgedacht und durchgeführt. 

32 Jahre in einer Gemeinde zu leben und zu arbeiten geht nur, wenn man sich persönlich getragen fühlt, stellt Gerd Mehlin fest. Seine Vorstellungen die Aufgaben eines Pastor auszufüllen, wurden lebendig in der Begegnung mit Menschen. Gespräche, Geburtstagsbesuche oder Kasualienbesuche sind für ihn Aufgaben, die ihm am Herzen liegen. Besonders wichtig war für ihn die Begleitung Sterbender und Trauernder. „Das hat mich bereichert“, so der zukünftige Ruheständler. Neben der Gemeindearbeit war er lange Jahre im KKV tätig, als Senior Sprecher für seine Kollegen/Kolleginnen und auf Landeskirchlicher Ebene der Beauftragte für Pfarrhäuser. Allein 18 Jahre war er Vorsitzender des Stellenplanungsausschusses und sechs Jahre Lektorenbeauftragter.

Was Gerd Mehlin mehr und mehr belastet hat, ist die Fülle der Aufgaben. Es wurde alles immer mehr. Das könne er rückblickend sagen. Das Nein-Sagen sei nicht seine Kernkompetenz, so beschreibt er sich lächelnd. Und jetzt merke er, wie das ständige präsent sein ihn erschöpft habe. Seit einem halben Jahr hält er konsequent den Montag frei. Herrlich! Er empfehle jeder jungen Kollegin, jedem jungen Kollegen, rechtzeitig auf die eigenen Kräfte zu achten. Erholung fand er selber immer im Urlaub mit seiner Familie. 

Für seinen Nachfolger gäbe es spannende Aufgaben in einer Kirchengemeinde wie in Schwülper. Junge Familien einbinden, die Neubaugebiete kennenlernen und Zugezogene ansprechen oder Gottesdienstformen wie die Tauferinnerungsfeier verstärken. 

Jetzt genießt er sein neues Leben in Braunschweig. Am 3. Advent wird Gerd Mehlin verabschiedet und seine Frau von der Arbeit als Prädikantin entpflichtet. Und dann? „Dann brauche ich ein halbes Jahr absolute Ruhe“, sagt er und es fällt hörbar eine Last von ihm ab. Gerne möchte er sich zukünftig ehrenamtlich engagieren. Nicht in Schwülper, denn sein Nachfolger soll ihn nicht ständig im Gehege haben. Seine Frau wird noch zwei weitere Jahre mit einer halben Stelle in der Lehrlingsausbildung in Kästorf arbeiten. „Wir möchten dann gerne mehr Zeit miteinander verbringen“, freut sich Pastor Mehlin. Ohne Absprachen, ohne Termindruck. Die Gemeinde verabschiedet ihren Pastor und seine Frau am 3. Advent um 14 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes und anschließend mit einem Empfang in der Okerhalle.