Kirchenkreistag Sitzung am 15.06.2017

15. Juni 2017

Kirchenkreistagssitzung am 15. Juni 2017

Der Juni-KKT stand unter einem Schwerpunktthema: Kirchenmitgliedschaft und Taufe. In einem Vortrag stellte Dr. Claas Cordemann, Theologischer Referent der VELKD, einige Thesen zu Diskussion: 

Zunächst beobachten wir, dass die Taufe eines Kindes nicht mehr selbstverständlich für junge Eltern ist. Die Taufbereitschaft nimmt ab, andererseits ist der Wunsch nach Kasualien hoch. In der Praxis der Pastorinnenund Pastoren ergeben sich Fragen wie, ob es sinnvoll ist, einen jungen Menschen kurz vor der Konfirmation zu taufen? Oder die Trauung durchzuführen, wenn einer der Partner die kirchliche Trauung nur mitmacht, weil der andere sich das wünscht? Oder sollen Personen kirchlich beerdigt werden, wenn sie aus der Kirche ausgetreten sind?

Kirchenmitgliedschaftuntersuchung 5: Es ist klar, dass die Mitgliederentwicklung von zwei Aspekten bestimmt wird. Der Taufbereitschaft und der Wille, in der Kirche zu bleiben.

Der fehlende Wunsch, getauft zu werden ist verbunden mit der prinzipiellen Haltung, nicht religiös erziehen zu wollen. Grundsätzlich gilt, wer getauft wird, ist Christ. Sind getaufte und ausgetretene Menschen noch Christien?

Die Taufe hat einen höchst individualisierenden Charakter. Die Taufe richtet sich an einen konkreten Menschen. Der Name des Täuflings wird mit dem Namen des Dreieinen Gottes zusammengesprochen. Doch die Taufe ist nicht alles. Der Glaube muss persönlich angeeignet werden. Schon Martin Luther betonte in seiner Theologie, die Taufe begründet eine lebenslange Aneignung. Wo nicht ein lebensweltlicher Zusammenhang mit der Gemeinschaft der Glaubenden besteht, bricht die Traditon des Glaubens ab.

Der Zuspruch der göttlichen Taufgnade gilt ein für allemal. Daher ist eine Wiedertaufe abzulehnen.

Claas Cordemann erinnert an die Unterscheidung an die sichtbare und die unsichtbare Kirche. Innerhalb der großen sichtbare Kirche“ ist die „kleine, unsichtbare Kirche zu finden“. Luther bezieht sich auf diese Unterscheidung. Es kann sein, dass wenn jemand aus der sichtbaren Kirche ausgeschieden ist, trotzdem noch zur unsichtbaren Kirche gehört. Nach Verständnis der lutherischen Kirche gehört aber beides zusammen. Der Getaufte ist Mitglied der sichtbaren Kirche und Glied der unsichtbaren Kirche.

Auch wenn Menschen aus der sichtbaren Kirche ausgetreten sind, so bleiben sie doch der unsichtbaren Kirche anzusprechen. Die Taufe bleibt auch bei Austritt aus der sichtbaren Kirche gültig. Daraus folgt, dass wir die Ausgetretenden nicht alleine lassen. Die Reaktion der Kirche wäre, sein Bedauern ausdrücken und auf die Schönheit und sinnstiftende Haltung der Kirche vermitteln. Wie können Eltern unterstützt werden, wenn sie ihr Kinde taufen lassen? Der Appell von Claas Cordemann an die Gemeinden: Geben Sie den Eltern etwas an die Hand, wie sie ihre Kinder im Glauben begleiten können.

Der KKT beschäftigte  sich anschließend in Kleingruppen mit sechs Fragen:

  • Sollten aus der Kirche Ausgetretene kirchlich beerdigt werden sollen?
  • Abendmahl empfangen?
  • Wie sollte mit der Taufe von freien Taufanbietern umgegangen werden?
  • Welche Möglichkeiten gibt es Ausgetretene wieder zu binden?
  • Was glauben wir, fehlt den Menschen, wenn sie nicht Mitglieder der Kirche sind?
  • Welche Möglichkeiten sehen wir, dass Menschen in die Kirche hineinwachsen können?

Dr. Claas Cordemann fasste die Gruppengespräche zum Schluss so zusammen: "Die Diskussion heute hat gezeigt, dass es eine besondere Herausforderung, wie wir mit der theologischen Einsicht umgehen, dass die Taufe einen unverbrüchlichen Charakter hat und wir insofern auch in Bezug auf die Ausgetretenen eine einladende und nachgehende Kirche sein wollen. Und gleichzeitig merken wir, dass wir in Bezug auf unsere Ressourcen schon jetzt manchmal an Grenzen kommen. Die Kirche lebt davon, dass diese Fragen diskutiert werden, genauso wie wir es hier in den Gruppen getan haben. Das theologische Gespräch bleibt eine der entscheidenden Kraftquellen der Kirche.“

Formalia

Der KKT hatte einige formale Entscheidungen zu treffen:

Pastor Dr. Hans-Günther Waubke wurde als Vertreter für die Region Nord-Ost berufen

Pastor Dr. Hans-Günther Waubke wurde als Nachfolger von Herrn Janz in den KKT-Vorstand berufen

Pastorin Annette Israel wurde als Nachfolgerin von Pastorin Christiane-Barbara Julius als stellvertretende Superintendentin bestätigt.

Die Vorlage "Grundstandard Kirchenmusik und kirchliche Kulturarbeit" wurde einstimmig verabschiedet.

Superintendentin Sylvia Pfannschmidt lädt Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden zu einem "Zukunftsmenü" am Samstag, 21. Oktober um 11 Uhr ein. Es geht darum "Rezepte" für die Zukunfts des Kirchenkreises auszutauschen und evtl. neu zu entwickeln. Die Gespräche sind verbunden mit einem mehrgängigen Menü, das die Jugendwerkstatt vorbereitet.

Kirchenkreisjugendpfleger Andreas Schulze-Mauk lädt zu einem Kinderreformationsfest am 30. Oktober in Meine ein.

Der Missions- und Ökumeneausschuss hat seine Grundstandards überarbeitet und das Thema "Malawi" dazugenommen. Interessierte Mitarbeitende können sich bei Frau Baucke melden.