Am 26.01.2026 hat der Landkreis Gifhorn „witterungsbedingten Unterrichtsausfall“ angeordnet. Dies inspirierte Silke Kretzschmar (Stadtdiakonin für die Arbeit mit Kindern) zu einer ungewöhnlichen Idee: Sie regte Kinder an Schneekirchen zu bauen.
Redaktion: In ganz Gifhorn (einschließlich Gamsen, Kästorf, Neubokel, Wilsche und Winkel) entstehen seit dem 26. Januar plötzlich aus Schnee gebaute Kirchen. Wie kam es zu dieser Idee?
Silke Kretzschmar: Als ich am Montag gegen 6:30 Uhr herausfand, dass im ganzen Landkreis Gifhorn Unterrichtsausfall angeordnet wurde, ratterten viele Gedanken gleichzeitig durch meinen Kopf: Konfi-3 muss dann heute auch ausfallen - schade!
Wie bekommen die berufstätigen Eltern so schnell eine Betreuung hin?
Womit können sich die Kinder beschäftigen – ohne dass sie ihren Medienkonsum noch weiter erhöhen?
Was kann ich dazu beitragen?
Endlich haben wir mal mehr Schnee als in den letzten Jahren und auch häufiger und länger.
Red: „Und dann kam Dir die Idee mit den Schneekirchen?“
SK: Ich glaube, Gott hat dann noch eine Verknüpfung zu einer Zeichnung aus den Neunziger Jahren in meinem Kopf hergestellt: Werner Tiki Küstenmacher hat mal ein Kind gezeichnet, das eine Kirche aus Schnee gebaut hat. Ich mag seine Zeichnungen. Manchmal arbeite ich damit, aber mit dieser Zeichnung hatte ich bisher noch nichts angefangen. Aber dann kam mir am Montag die Idee: Warum nicht diese Idee an Familien aus meinem Arbeitsumfeld weitergeben: Baut eine Kirche aus Schnee und schickt mir ein Foto davon.
Red: Und das haben dann tatsächlich auch einige gemacht?
SK: Ja wirklich! Um 7:19 Uhr habe ich die ersten Familien mit dieser Idee überrascht und um 9:27 Uhr habe ich das erste Foto einer Schneekirche bekommen. Und seitdem kommen immer mehr dazu. Manche haben ein Kreuz, andere haben Fenster und Türen, ein paar sind mehrgeschossig, eine hat sogar eine Uhr, eine andere eine Glocke, manche sind klein und schnuckelig, andere so groß wie ein Kind, manche gleichen einer Klosteranlage andere haben Namen, vor einer steht eine Schneefigur, in der Nähe einer anderen sind zwei Schnee-Engel Es sind unglaublich vielfältige Ideen eingeflossen und alles wunderschöne Schneekirchen geworden! Ich freue mich wie eine Schneekönigin, dass diese spontane Idee so gut angekommen ist.
Red: Das kann ich mir vorstellen. Gibt es eigentlich eine zeitliche Begrenzung dieser Aktion? Und dürfen nur bestimmte Personen mitmachen?
SK (lacht): Nur das Tauwetter und der Frühling sollen diese Aktion stoppen. Solange Schnee liegt und irgendjemand Ideen, Zeit und Lust hat, dürfen sehr, sehr gern weitere Schneekirchen gebaut werden. Und wer keine eigene Fläche dafür hat, darf auch gern auf unseren Kirchengeländen bauen! Wir freuen uns über weitere tolle temporäre Blickfänge.
Red: Vielen Dank für diese inspirierende Idee.
(Die Fragen stellte Andreas Behr)