Frau Saar, Sie sind neu in der 27. Landessynode. Was bedeutet dieses Amt für Sie persönlich?
Als Kirchenvorsteherin bin ich mit Verantwortung und Entscheidungsprozessen aus der Gemeindearbeit bereits vertraut. Die Arbeit auf landeskirchlicher Ebene eröffnet jedoch noch einmal eine neue Perspektive. Gerade als junge Stimme mit 25 Jahren sehe ich es als große Chance, meine Sichtweisen einzubringen, neue Impulse zu setzen und Kirche aktiv auf einer weiteren Ebene mitzugestalten.
Welche Aufgaben übernehmen Sie konkret in der Landessynode?
Ich wurde ins Präsidium gewählt und arbeite dort als Schriftführerin mit. Außerdem engagiere ich mich im Ausschuss für junge Menschen sowie im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit, Medien und Kommunikation. Das sind Themen, die mir besonders am Herzen liegen. Junge Perspektiven stärken und kirchliche Entscheidungen verständlich und transparent vermitteln.
Was dürfen junge Menschen Ihrer Meinung nach heute von der Kirche erwarten?
Junge Menschen dürfen erwarten, ernst genommen und gehört zu werden. Nicht nur als Zielgruppe, sondern als Menschen, die Ideen haben und Kirche mitprägen. Kirche muss Räume bieten, in denen Fragen erlaubt sind und Zweifel ausgesprochen werden dürfen. Sie sollte ehrlich mit Herausforderungen umgehen und zeigen, dass Glaube auch heute Halt und Orientierung geben kann.
Welche Themen oder Debatten der sechsjährigen Amtszeit halten Sie für besonders richtungsweisend?
Die Themen Kirchenaustritte sowie abnehmende finanzielle und personelle Ressourcen werden unsere Strukturen spürbar verändern. Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising sind zwei entscheidende Bausteine, um Kirche zukunftsfähig zu gestalten. Gleichzeitig sind die konsequente Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt eine zentrale und unverzichtbare Aufgabe. Im Kern geht es dabei um Glaubwürdigkeit, Verantwortung und den Schutz von Menschen. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen wird maßgeblich prägen, wie Kirche künftig wahrgenommen wird.
Was braucht Kirche Ihrer Meinung nach heute besonders?
Kirche braucht heute vor allem Glaubwürdigkeit. Das bedeutet, transparent zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und auch schwierige Themen nicht zu umgehen. Sie braucht Mut zur Veränderung, ohne dabei aus dem Blick zu verlieren, wofür sie steht. Und sie braucht eine Kultur des Zuhörens: Menschen ernst nehmen, unterschiedliche Perspektiven aushalten und im Gespräch bleiben. Nur so kann Vertrauen wachsen.
Gibt es einen biblischen Vers oder Gedanken, der Sie in Ihrem Ehrenamt begleitet?
„Berge mögen weichen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir kann durch nichts erschüttert werden und meine Friedenszusage wird niemals hinfällig.“ – Jesaja 54,10
Dieser Vers, der auch mein Konfirmationsspruch ist, begleitet mich schon lange. Er erinnert mich daran, dass Gottes Liebe bleibt, auch in Zeiten von Veränderungen und Herausforderungen.
Die Fragen stellte Andreas Behr