Foto: Ulla Evers

KKV- und Ephoralbericht

09. Dezember 2021

... zur Kirchenkreissyode am 08.12.2021

Liebe Kirchenkreissynodale,
Das zweite Corona-Jahr geht zu Ende. Die Wanderung durch die Wüste geht weiter. Nach einem Oasensommer tagen wir erneut vor den Kacheln. Wieder bangen wir um die Weihnachtsgottesdienste. Ich erlebe eine große Müdigkeit in der Gesellschaft und auch in den Gemeinden. „Mütend“- diese Wortschöpfung drückt dies gut aus: Müde und wütend. Die Situation könnte normaler sein, wenn die Impfquote höher wäre. Ich nehme auch wahr, dass die Gemeinden sehr verantwortlich mit langem Atem und kreativ auf die schwierige Lage reagieren. Dafür kann ich an dieser Stelle nur danken.

Als Gewinn aus dieser Zeit verzeichne ich vermehrt Gottesdienste oder andere Formate im Grünen. Kirche verlässt ihre Mauern, zeigt sich in der Öffentlichkeit, geht dorthin, wo die Menschen sind. Damit ist in der heutigen Zeit auch der digitale Raum gemeint. Der wird zunehmend auch durch unsere neue Öffentlichkeitsbeauftragte Anna Rether bespielt (Instagramm). Die Möglichkeit, Sitzungen oder Besprechungen per ZOOM oder zum Teil hybrid durchzuführen, wird bleiben, auch wenn ich froh bin über jede Präsenzsitzung, in der man sich in die Augen schauen kann.

Die Einführung des neuen Kirchensteuerlogos in der veranstaltungsfreien Corona-Zeit war ungünstig. Ich hoffe sehr, dass das Logo jetzt an allen Schildern und Flyern der Gemeinden und Einrichtungen prangt und auf die positiven Früchte der Kirche hinweist. Unsere Arbeit in der Kirche ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.

Auch die Auszeichnung „ Sicherer Hafen- fairankern“ hat Einrichtungen und Gemeinden in diesem Jahr erreicht: Arbeit mit Geflüchteten bleibt auch in Coronazeiten im Blick.

1. Jetzt ist Zeit für den Wandel: Blick zurück

Die Prozesse, die wir im zu Ende gehenden Jahr durchgeführt haben, dienen alle dazu, die Kirche in unserem Kirchenkreis zukunftsfähig aufzustellen. Die Zahlen der Kirchenmitglieder sinken (Tabelle), damit einhergehend auch die finanziellen Zuweisungen aus der Landeskirche. Auch das hauptamtliche Personal steht uns ab 2025 nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand. Stellen werden lange Zeit nicht besetzt werden können. Jetzt ist Zeit darauf zu reagieren, die Strukturen so zu verändern, dass Kirche in ihren unterschiedlichen Facetten auch in Zukunft lebt.

Kirche zeigt sich in der Verkündigung und Seelsorge vor Ort in den Gemeinden, in den diakonischen Einrichtungen (Kitas-, Familienzentrum, Jugendwerkstatt, Krankenhaus, Diakonisches Werk…), in der Kirchenmusik und in der öffentlichen Präsentation und Beteiligung in der Gesellschaft. Und es braucht bei allem auch die Verwaltung, die die Gremien und die Gemeinden unterstützt, die dafür sorgt, dass die staatlichen Gesetze eingehalten werden. Gemeinsam bilden wir Kirche.

 

Sie als Synodale und Ausschussmitglieder haben die Aufgabe verantwortungsbewusst für eine gerechte finanzielle und personelle Ausstattung zu sorgen und auch inhaltliche Akzente für die Weiterentwicklung der Kirche zu setzen, die auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren.

In einem intensiven Prozess sind in den verschiedenen Gremien die Konzepte für die Handlungsfelder entwickelt worden. Da ging es um die inhaltliche Arbeit: Wie soll Kirche aussehen in der Zukunft? Wie reagiert die Gottesdienstlandschaft auf veränderte Bedürfnisse? Wie stellt sich die Jugendarbeit auf?

In erster Lesung lagen sie der KK-Synode im Juli vor. Der KKV hat sie auf seiner KKV-Klausur, wie vorher verabredet, gekürzt, redigiert, Anmerkungen aus der KKS berücksichtigt und auf ein einheitliches Format gebracht. Dabei haben wir uns an die Gliederungsvorgabe gehalten: Rückblick, Herausforderungen, Ziele und Maßnahmen. Die Konzepte sind Grundlage für die Stellen- und Finanzplanung. Nicht alle Wünsche können berücksichtigt werden. Am Ende des Prozesses müssen die Konzepte mit den Ergebnissen aus der Stellen- und Finanzplanung abgeglichen werden. In der KKS im Juni 2022 wird dann das Gesamtpaket von Ihnen verabschiedet.

  • In der Struktur- und Bauleitplanung ist eine Priorisierung der Gebäude vorgenommen worden. Die Rückmeldungen aus den Gemeinden sind gesichtet und zum Teil eingearbeitet worden. Das überarbeitete Modell wird Ihnen im nächsten Jahr vorgestellt. Die Gebäudeunterhaltungskosten steigen, ebenso die Baukosten. Nicht mehr alle Gebäude sind auf Dauer finanzierbar. Es braucht Mitfinanziers. Bei sinkenden Gemeindegliederzahlen steigt die Kubatur, die nicht mehr refinanziert wird. Das hat auch zu Veränderungen in den Bauergänzungsrichtlinien geführt. Eine Einigung in den Regionen, in welche Gebäude weiterhin investiert werden soll, steht allerdings noch aus.
  • Inwieweit Quartiersentwicklung und professionelles Immobilienmanagement wegweisend sein kann, sollte in Zukunft geprüft werden.
  • Das Budget für die begleitenden Dienste ist im Stellenplanungsausschuss erarbeitet worden und lag Ihnen heute zur Abstimmung vor. Die Gemeinden bekommen dadurch mehr Freiraum für den Einsatz ihres Personals, aber auch mehr Verantwortung.
  • Der Stellen- und Finanzplan ist zurzeit noch nicht fertig. Wir sind diesmal von den Konzepten ausgegangen, was mehr Zeit in Anspruch genommen hat. Er wird zur ersten Lesung in der nächsten KKS im Februar 2022 vorgestellt und anschließend in den Regionen besprochen, damit er im Juni 2022 beschlossen werden kann.

2. Jetzt ist Zeit für den Wandel: Blick in die Zukunft

In den nächsten Jahren haben wir die Zeit umzusteuern, die Arbeit in den Gemeinden und Regionen so aufzustellen, dass die Hauptamtlichen ihren Dienst weiterhin mit Freude versehen und die Ehrenamtlichen motiviert bleiben und nicht überfordert sind. Ein weiter so wie bisher wird es nicht geben. Regionale Absprachen sind unerlässlich.

Strukturell probiert die Region Okeraue die Verwaltungsentlastung durch einen Regionenmanager*in aus. Am 1.1.2022 bilden die Gemeinden dort einen Kirchengemeindeverband. Der Antrag für einen Regionenmanager*in an die Landeskirche ist gestellt. Wenn er Erfolg hat, ist die Stelle bis 2029 gesichert. Von den Erfahrungen können alle andern Gemeinden aus dem Kirchenkreis profitieren.

Es muss nicht gleich ein Regionenmanager sein, möglich ist auch die Einrichtung eines regionalen Gemeindebüros. Um regionale Zusammenarbeit in Arbeitsgemeinschaften, Gemeindeverbänden oder Gesamtkirchengemeinden werden wir nicht herumkommen. Nicht nur wegen der Arbeitsentlastung. Wenn kleine Gemeinden im KK fusionieren, bringt es eine Verwaltungsersparnis, die sich konkret in Zahlen ausdrückt.

Aber auch inhaltlich braucht es regionale Klärungen. Nicht mehr jede Gemeinde wird alles vorhalten können. Es braucht eine Zusammenarbeit, die Profilierung ermöglicht.
Was ist das Charisma der einen Gemeinde? Wo liegen die Stärken der anderen? Welche Chancen bieten die Räumlichkeiten? Wo kann man an Gegebenheiten im Dorf oder in der Region andocken? In welchen Räumen findet die Jugend ein attraktive Heimat?

Gemeinsam im Kirchenkreis können wir die Vielfalt von Kirche leben, Kirche sein in Beziehung in unterschiedlichen Bereichen.

Um diese Frage zu stellen, müssen wir die Kirchenmauern verlassen, Interesse zeigen an den Menschen, zwischen den Menschen sein.

Christsein in der Welt leben. Warum nicht mal auf der Hochzeitsmesse einen Stand machen, um auf unser gutes Angebot einer kirchlichen Trauung aufmerksam zu machen? Die Schulen, so wie das PMG, sind Orte, um an der Lebenswelt der jungen Leute anzuknüpfen. Im nächsten Jahr wird das Hospiz in Gifhorn fertiggestellt. Auch da ist die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen eine Aufgabe von Kirche.

Die Ortsgemeinde ist stark. Das habe ich in diesem Jahr bei den Visitationen in Leiferde und in Meinersen erleben können. Da wird Beziehung gelebt, Gemeinschaft erfahren, gerne auch gemeinsam gegessen und gebetet. Ältere Menschen, Familien, Jugendliche finden dort ein Zuhause. In den Kasualien sind wir als Kirche stark. Ich bekomme von Angehörigen positive Rückmeldungen zu Beerdigungen, die die KollegInnen hier im Kirchenkreis machen. Die Ortsgemeinde bleibt der Kern und muss weiterhin Beachtung erfahren.

Doch viele Menschen aus den postmodernen Milieus, die noch in der Kirche sind und Kirchensteuer zahlen, spricht diese Form der Kirchlichkeit nicht an.

Welche neue ergänzende Gestalt von Kirche und Gemeinde brauchen wir, um auch diese Menschen zu erreichen? Dieser Frage müssen wir uns als Kirchenkreis stellen.

„Was willst du, dass ich dir tun soll?“

Die Viertel-Stelle „Spiritualität im Alltag“ von Anja Barth, die bis Ende nächsten Jahres eingerichtet ist, versucht genau das, die Angebotspalette zu erweitern und Kirchenfernere anzusprechen: „Meditation, Schweigen, Oasentage…“ In diesem Segment sind wir als Kirche stark. Da können wir gut in Konkurrenz treten zu den Angeboten von Spiritualität auf dem freien Markt.

Auch das Projekt: „Tankorte“, das in der Kirchenkreiskonferenz seinen Ausgang nahm, will neue Orte aufsuchen und Gelegenheiten schaffen für die Begegnung mit der mutmachenden Botschaft.

In Isenbüttel hat Pastor Schliephake mit seinem Besuchsdienst den Pilot gestartet: „Kaffee auf dem Friedhof“. Zweimal in der Woche im Sommer, verlässlich angekündigt zur Gießzeit, waren er und auch einige vom Besuchsdienst auf dem Friedhof. Niederschwellige Begegnung, Gespräche, Seelsorge, Austausch. Es war ein Erfolg. Vielleicht schließen sich andere Gemeinden an.

Ebenfalls unter dem Motto „Tankorte“ plant eine Kleingruppe unter der Federführung von Anja Barth ein Netzwerk von Orten, an denen Menschen auftanken können, entweder auf der Durchreise mit dem Fahrrad oder als Angebot für Menschen aus dem Ort. Gedacht ist, an den Kirchen außen und auch innen, wenn sie geöffnet sind, per QR-Code kleine Impulse anzubieten, spirituelle Kirchenerkundungen, Orgelmusik und Choräle. Kirchenräume wirken, haben Ausstrahlung, auch außerhalb von Gottesdiensten.

Die Gemeinden, die daran interessiert sind und mitarbeiten wollen, können sich in der Suptur oder bei Frau Barth melden. Vielleicht entsteht eine digitale Tank-Ort-Karte unseres Kirchenkreises, die immer wieder aktualisiert wird.

3. Jetzt ist die Zeit des Wandels: Klimawandel

Er fordert auch die Kirche heraus. Wir tragen als Christen Mitverantwortung für den Erhalt der Schöpfung, müssen in der Bewirtschaftung der Gebäude und Grundstücke, bei der Landverpachtung und bei der Mobilität Zeichen setzen und CO2 einsparen. Die Nutzung des grünen Datenkontos soll flächendeckend umgesetzt werden, das steht im neuen Handlungskonzept Klimaschutz. Leider hat sich ein arbeitsfähiger Umweltausschuss noch nicht gebildet, so dass dieses Thema weiterhin stiefmütterlich in unserem Kirchenkreis behandelt wird.

 

Personell hat es bei den Hauptamtlichen im Verkündigungsdienst einige Veränderungen im Kirchenkreis gegeben (Anlage). Wahrenholz ist vakant. Meine und Grassel werden hoffentlich im Sommer besetzt sein. Ich danke den hauptamtlichen Vakanzvertretern und den Ehrenamtlichen im KV und den Gastpredigern, die tatkräftig unterstützt haben, auch in Krankheits- und Abwesenheitszeiten.

Weihnachten steht bevor. Gott wird Mensch, teilt unsere Lebenswelt, trägt mit an der Last, die besonders die Coronazeit mit sich bringt. An der Krippe können wir auftanken. Die vertraute Botschaft will jedes Jahr neu die Herzen der Menschen hineingesprochen werden.

Gottes Geist ermutige euch alle.

Gifhorn 8.12.2021 Sylvia Pfannschmidt, Superintendentin

Kirchenkreissynode

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Synodenvorsitzender

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Pastor Dr. Hans-Günther Waubke
Tel.: 05371 62244

Superintendentin

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Sylvia Pfannschmidt
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